Schikaniert, gedrillt, erniedrigt: Viele Jugendliche beschrieben ihre Zeit in den mittlerweile geschlossenen Haasenburg-Heimen als Martyrium, gerade wurde ein erster Betreuer verurteilt. Auch zwei Hamburger Mütter haben Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt. „Solche Heime machen unsere Kinder kaputt“, sagen Eva Lobermeyer und Regina Schunk.
Nein, Jonas Lobermeyer (18) geht es überhaupt nicht gut. Der Hamburger Junge, der mit zwölf Jahren zu den jüngsten Insassen der Haasenburg gehörte, hat massive körperliche und psychische Probleme, nimmt Drogen. Bei seiner Lehrstelle erscheint er nur unregelmäßig. Bürokauffrau Eva Lobermeyer: „All diese Probleme haben sich durch die Tortur in der Haasenburg entwickelt.“ Wenn sie in der Tür steht, fühlt er sich manchmal bedroht, als wolle sie ihm den Ausweg versperren.
Auch der Sohn von Regina Schunk hat die Kurve trotz eineinhalb Jahren Haasenburg nicht gekriegt. Auch er nimmt Drogen, beschafft sich das nötige Geld dafür auf kriminellem Wege und ist mit seinen 18 Jahren voll strafmündig.
Die beiden Mütter sind überzeugt, dass das geschlossene Heim ihren Söhnen nicht geholfen, sondern die Situation dramatisch verschlechtert hat. „Jonas war damals krank, er hatte mit Selbstmord gedroht und später auch mich bedroht“, erinnert sich Lobermeyer. Ihr Sohn kam in die Psychiatrie. Nach der Entlassung empfahl das Jugendamt das geschlossene Heim – obwohl Jonas weder kriminell geworden war noch zuvor ein offenes Heim ausprobiert worden war. „Mir wurde etwas von Musiktherapie und Pferden erzählt.“
Die Realität sah anders aus. Beim ersten Besuch im Heim war ihr zwölfjähriger Sohn abgemagert, das Gesicht von Pickeln übersät. „Als ich kam, traute er sich nicht, das Zimmer zu verlassen. Zwei Mal fragte er den Betreuer, ob er raustreten dürfe.“ Wie im Stasi-Knast sei das gewesen, sagt die Mutter. In Jonas Zimmer habe es nur eine Matratze, einen Tisch und einen Plastikstuhl gegeben. Sein Spielzeug und seine Kuscheldecke – alles weg.
Später erzählte ihr Sohn, dass er mehrfach „begrenzt“ worden sei. Drei bis vier kräftige Männer hätten ihm die Arme auf dem Rücken verdreht und ihn auf den Boden gedrückt. „Sein Gesicht war vom Schleifen über den Brandschutz-Teppich aufgeschürft.“ In dem Anti-Aggressions-Raum stand damals auch noch die Fixierliege mit Anschnallgurten, die später auf Druck abgeschafft wurde. Tagsüber musste er manchmal mit Helm, Ellenbogen- und Knieschützern herumlaufen – eine demütigende Haasenburg-Maßnahme, um die Jugendlichen vor Selbstverletzung zu schützen.
Lobermeyer und Schunk kämpfen heute Seite an Seite gegen ein geplantes geschlossenes Heim in Hamburg. „Das ist in der Haasenburg und in der Feuerbergstraße gescheitert, es gibt keine guten geschlossenen Heime“, sind sie überzeugt. Enttäuscht und wütend sind sie über das Verhalten des Hamburger Sozialsenators Detlef Scheele (SPD). „Er behauptet, dass kein Hamburger Jugendlicher dort zu Schaden gekommen ist. Aber er hat nie mit uns gesprochen.“ Alle ihre Kontaktversuche wurden ignoriert.
Brandenburgs Ministerin Münch hatte sich damals bei allen Jugendlichen entschuldigt. „Das haben wir auch von Herrn Scheele erwartet.“ In einem offenen Brief fordern sie den Senator auf: „Sie hatten die Verantwortung. Treten Sie zurück!“
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