Mönchengladbach –
„Lieber Gott, nun schlaf ich ein, schick mir mein Engelein, das an meinem Bettchen kniet und mich endlich zu dir fliegt. Ruhe sanft, kleiner Leo!“
Auf einem grünen Zettel von Hand aufgeschrieben, liegt dieses Gedicht auf dem Pflaster vor dem Haus in Mönchengladbach-Eicken, in dem Pascale W. (26) seinen 19 Tage alten Sohn Leo zu Tode gefoltert hat.
Die Zeilen sind Gänsehaut pur und ein Zeichen des unendlichen Entsetzens, das die Nachbarn und alle Mönchengladbacher seit Freitag umtreibt, jenem Tag, an dem das Verbrechen bekannt wurde.
Um das Gedicht herum liegen und stehen weitere Zeichen der Betroffenheit: Stofftiere, Kerzen, Blumen. Irgend jemand hat auch ein Foto des kleinen Leo abgelegt – ohne Kommentar: ein bildhübsches Baby, mit einem Kuscheltier friedlich schlafend.
Die Menschen, die hierher kommen, sind fast sprachlos über das Unfassbare: „Es ist schwer, dafür Worte zu finden“, sagt Michaela Meyer (45), die vor Leos Elternhaus ein Grablicht entzündet. Ihr Tochter Saskia (25) ergänzt: „Ich habe selbst ein Kind – wie man seinem eigenen Fleisch und Blut so etwas antun, kann und will ich einfach nicht verstehen.“
Aber neben der tiefen Trauer gibt es auch ein weiteres Gefühl, das mit Händen zu greifen ist: Blanke Wut über diese Tat! Unbekannte haben auf den Briefkasten von Pascale W. und seiner Frau Melanie M. (25) über ihre Namen einen Zettel geklebt: „Mörder!“
Wie konnten die beiden frisch gebackenen Eltern das nur tun? Wie konnte die Mutter einfach zusehen, ohne etwas zu unternehmen? Die Menschen suchen Antworten – und finden sie natürlich nicht!
„Vielleicht hat es mit den Drogen zu tun“, meint eine Nachbarin. „Pascale hat wohl schon zu Schulzeiten damit Probleme gehabt. Und viele hier glauben, dass er bis heute davon nicht losgekommen ist.“ Eine Erklärung wäre auch das nicht.
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